Die richtige Luftfeuchtigkeit beim Indoor-Grow: Dein Leitfaden fĂŒr fette Ernten

Inhaltsverzeichnis

Perfekte Luftfeuchte – Ist das wichtig?

Du willst deinen Indoor-Grow auf das nĂ€chste Level bringen? Dann solltest du jetzt verdammt gut aufpassen, denn wir reden heute ĂŒber einen Faktor, den viele AnfĂ€nger (und ehrlich gesagt auch so mancher Fortgeschrittene) strĂ€flich vernachlĂ€ssigen: die Luftfeuchtigkeit. Klar, Licht, NĂ€hrstoffe und die richtige Genetik sind wichtig – aber ohne das richtige Klima kannst du dir das alles sparen. Lass uns zusammen durchgehen, wie du die relative Luftfeuchtigkeit (RLF) in jeder Phase deines Grows perfekt einstellst.

Warum ist Luftfeuchtigkeit ĂŒberhaupt so wichtig?

Bevor wir in die Details einsteigen: Was macht die Luftfeuchtigkeit eigentlich mit deinen Pflanzen? Ganz einfach gesagt, sie beeinflusst direkt, wie gut deine Pflanzen „atmen“ und NĂ€hrstoffe aufnehmen können. Cannabis-Pflanzen transpirieren ĂŒber winzige Öffnungen auf den BlĂ€ttern, die Stomata heißen. Je nachdem, wie feucht oder trocken die Luft ist, öffnen oder schließen sich diese Stomata.

Ist die Luft zu trocken, verlieren deine Pflanzen zu viel Wasser und geraten in Stress – das Wachstum stockt, die BlĂ€tter werden schlapp. Ist es zu feucht, können die Stomata nicht richtig arbeiten, die NĂ€hrstoffaufnahme lĂ€uft auf Sparflamme und im schlimmsten Fall hast du plötzlich Schimmel auf deinen Buds. Und da reden wir nicht von ein bisschen Mehltau auf den BlĂ€ttern, sondern von Bud Rot, der deine komplette Ernte killen kann.

Die Luftfeuchtigkeit arbeitet ĂŒbrigens eng mit der Temperatur zusammen. Warme Luft kann mehr Feuchtigkeit aufnehmen als kalte – das ist Physik und daran können wir leider nichts Ă€ndern. Deswegen macht es auch keinen Sinn, nur die RLF zu messen, ohne die Temperatur im Blick zu haben.

Die optimale Luftfeuchtigkeit fĂŒr jede Wachstumsphase

Jetzt wird’s konkret. Cannabis braucht in verschiedenen Lebensphasen unterschiedliche Luftfeuchtigkeit. Was fĂŒr einen Keimling perfekt ist, bringt eine blĂŒhende Pflanze um – und umgekehrt. Hier ist deine Übersicht:

Keimung und frĂŒhe SĂ€mlings-Phase: Feucht wie im Regenwald

Deine frisch gekeimten Seeds oder jungen SĂ€mlinge haben noch kein ausgeprĂ€gtes Wurzelsystem. Sie nehmen deshalb viel Feuchtigkeit direkt ĂŒber die BlĂ€tter aus der Luft auf. In dieser Phase darf es richtig feucht sein.

Optimale Werte:

  • Luftfeuchtigkeit: 65-80%
  • Temperatur: 20-25°C
  • VPD: 0,4-0,8 kPa

Viele Grower nutzen in dieser Phase Mini-GewĂ€chshĂ€user oder Propagatoren, um die hohe Luftfeuchtigkeit konstant zu halten. Das ist auch sinnvoll, denn die kleinen PflĂ€nzchen sind noch super empfindlich. Achte aber darauf, dass du trotzdem etwas Luftzirkulation hast – sonst wird’s schnell schimmelig.

Praxis-Tipp: SprĂŒhe deine SĂ€mlinge ruhig ein bis zweimal tĂ€glich mit feinem Wassernebel ein (am besten mit destilliertem Wasser). Das gibt ihnen zusĂ€tzliche Feuchtigkeit und sie danken es dir mit krĂ€ftigem Wachstum.

Vegetationsphase: Langsam runter mit der Feuchtigkeit

Sobald deine Pflanzen ein paar echte Blattpaare entwickelt haben und ordentlich Wurzeln geschlagen haben, kannst du die Luftfeuchtigkeit schrittweise senken. In der Wachstumsphase (Vegi) wollen deine Pflanzen ein bisschen weniger Luftfeuchtigkeit, aber immer noch genug, um gut zu transpirieren.

Optimale Werte:

  • Luftfeuchtigkeit: 50-70%
  • Temperatur: 22-28°C (Tag) / 18-22°C (Nacht)
  • VPD: 0,8-1,2 kPa

In dieser Phase sind deine Pflanzen robust und wachsen wie verrĂŒckt. Die etwas niedrigere Luftfeuchtigkeit fördert die Transpiration und damit auch die NĂ€hrstoffaufnahme. Gleichzeitig minimierst du das Risiko von Mehltau und anderen Pilzerkrankungen.

Praxis-Tipp: Wenn du Mutterpflanzen hĂ€ltst, mögen die ĂŒbrigens auch gerne eine etwas höhere Luftfeuchtigkeit im Bereich von 60-70%. Das hĂ€lt sie vital und gesund.

BlĂŒtephase: Trocken ist Trumpf

Jetzt wird’s ernst! In der BlĂŒte Ă€ndern sich die BedĂŒrfnisse deiner Pflanzen drastisch. Die Knospen werden immer dichter und schwerer – und genau das macht sie anfĂ€llig fĂŒr Schimmel. Hohe Luftfeuchtigkeit ist jetzt dein Feind Nummer eins.

FrĂŒhe BlĂŒtephase (Woche 1-3)

In den ersten Wochen der BlĂŒte kannst du die Luftfeuchtigkeit noch moderat halten:

Optimale Werte:

  • Luftfeuchtigkeit: 45-55%
  • Temperatur: 20-26°C (Tag) / 17-20°C (Nacht)
  • VPD: 1,0-1,3 kPa

SpĂ€te BlĂŒtephase (Woche 4 bis Ernte)

Ab der vierten Woche wird es kritisch. Deine Buds werden immer fetter und dichter – Zeit, die Luftfeuchtigkeit ordentlich runterzufahren:

Optimale Werte:

  • Luftfeuchtigkeit: 40-50% (besser 40-45%)
  • Temperatur: 20-26°C (Tag) / 17-20°C (Nacht)
  • VPD: 1,2-1,6 kPa

Die letzten 2-3 Wochen vor der Ernte: Hier darfst du noch einen draufsetzen und die Luftfeuchtigkeit auf 35-45% senken. Je dichter und fetter deine Buds, desto wichtiger wird das. Sorten mit besonders kompakten BlĂŒten (viele Indicas) sind extrem anfĂ€llig fĂŒr Botrytis (Grauschimmel) – bei denen solltest du wirklich auf Nummer sicher gehen.

Praxis-Tipp: Erhöhe den Temperaturunterschied zwischen Tag und Nacht in der SpĂ€tblĂŒte. Das fördert nicht nur die Harzproduktion, sondern hilft auch dabei, die Luftfeuchtigkeit nachts nicht zu hoch werden zu lassen.

Die ultimative Luftfeuchtigkeits-Tabelle

Hier hast du alle wichtigen Werte auf einen Blick. Druck dir das aus und hÀng es neben deine Growbox!

WachstumsphaseLuftfeuchtigkeit (RLF)Temperatur (Tag)Temperatur (Nacht)VPD-Bereich
Keimung70-80%24-29°C22-26°C0,4-0,8 kPa
SÀmling65-75%20-25°C18-22°C0,4-0,8 kPa
Wachstum (Vegi)50-70%22-28°C18-22°C0,8-1,2 kPa
FrĂŒhe BlĂŒte45-55%20-26°C17-20°C1,0-1,3 kPa
SpĂ€te BlĂŒte40-50%20-26°C17-20°C1,2-1,6 kPa
Letzte 2-3 Wochen35-45%18-24°C15-18°C1,3-1,6 kPa

VPD: Der Geheimtipp fĂŒr Profis

Jetzt wird’s etwas wissenschaftlicher, aber keine Sorge – das ist einfacher als es klingt. VPD steht fĂŒr „Vapor Pressure Deficit“ oder auf Deutsch: Dampfdruckdefizit. Klingt kompliziert, ist aber eigentlich nur ein fancy Wort dafĂŒr, wie „durstig“ die Luft nach Wasser ist.

Der VPD beschreibt das VerhÀltnis zwischen Temperatur und Luftfeuchtigkeit und zeigt dir, ob deine Pflanzen optimal transpirieren können. Ein zu niedriger VPD bedeutet, dass die Luft schon relativ gesÀttigt ist und deine Pflanzen nicht gut schwitzen können. Ein zu hoher VPD bedeutet, dass die Luft so trocken ist, dass deine Pflanzen zu viel Wasser verlieren.

Warum VPD wichtig ist

Mit VPD kannst du dein Klima viel prĂ€ziser einstellen als nur mit Temperatur und Luftfeuchtigkeit allein. Du kannst zum Beispiel bei 24°C und 60% RLF einen perfekten VPD haben – aber auch bei 26°C und 55% RLF. Das gibt dir mehr FlexibilitĂ€t, besonders wenn du im Sommer oder Winter Probleme hast, bestimmte Werte zu halten.

Außerdem beeinflusst der VPD direkt:

  • Die Transpirationsrate (wie viel Wasser deine Pflanzen abgeben)
  • Die NĂ€hrstoffaufnahme (mehr Transpiration = mehr NĂ€hrstofffluss)
  • Die Photosynthese (optimal geöffnete Stomata = mehr CO₂-Aufnahme)
  • Die Harzproduktion (besonders in der BlĂŒte wichtig)

VPD-Werte fĂŒr Cannabis im Detail

Hier die optimalen VPD-Bereiche fĂŒr jede Phase:

PhaseOptimaler VPDWas passiert bei diesem Wert
Keimung/SÀmlinge0,4-0,8 kPaLangsame, kontrollierte Transpiration; Wurzelbildung wird gefördert
Vegetative Phase0,8-1,2 kPaGesunde Transpiration; optimales Wachstum
FrĂŒhe BlĂŒte1,0-1,3 kPaErhöhte Transpiration; gute NĂ€hrstoffaufnahme
SpĂ€te BlĂŒte1,2-1,6 kPaMaximale Transpiration; Schimmelrisiko minimiert

Wichtig zu wissen: Die Werte beziehen sich auf die Blatttemperatur, nicht auf die Raumtemperatur! BlĂ€tter sind normalerweise 2-4°C kĂŒhler als die Umgebungsluft (wegen der Transpiration). Wenn du es ganz genau haben willst, besorgst du dir ein Infrarot-Thermometer und misst direkt an den BlĂ€ttern.

VPD in der Praxis nutzen

Es gibt praktische VPD-Rechner online (z.B. auf vpdchart.com), wo du einfach deine Temperatur und Luftfeuchtigkeit eingibst und sofort siehst, ob du im optimalen Bereich liegst. Viele moderne KlimagerÀte haben sogar eine VPD-Funktion eingebaut.

Praxis-Tipp: Wenn du mit CO₂ arbeitest, kannst du höhere Temperaturen fahren (bis 30°C) und entsprechend deinen VPD anpassen. Bei CO₂-Enrichment liegt der optimale VPD-Bereich in der BlĂŒte bei 1,2-1,5 kPa.

Was passiert bei falscher Luftfeuchtigkeit?

Lass uns mal durchgehen, was schiefgehen kann, wenn du die Luftfeuchtigkeit nicht im Griff hast.

Zu hohe Luftfeuchtigkeit: Die Schimmel-Falle

Das ist das hĂ€ufigste Problem, besonders in der BlĂŒtephase. Wenn die RLF ĂŒber 60% klettert und du dicke, dichte Buds hast, ist es nur eine Frage der Zeit bis:

  • Botrytis (Grauschimmel): Der Klassiker. Du siehst braune, matschige Stellen an deinen Buds. Einmal drin, breitet er sich schnell aus.
  • Mehltau: Weißer, pudriger Belag auf den BlĂ€ttern. Sieht aus wie Mehl, ist aber ein Pilz.
  • WurzelfĂ€ule: Wenn die Töpfe nicht schnell genug abtrocknen können, leiden die Wurzeln.
  • Langsames Wachstum: Die Pflanzen können nicht richtig transpirieren und nehmen dadurch weniger NĂ€hrstoffe auf.

Zu niedrige Luftfeuchtigkeit: Stress pur

Auch zu trockene Luft macht Probleme:

  • NĂ€hrstoffblockaden: Die Pflanzen können die NĂ€hrstoffe nicht richtig aufnehmen, auch wenn sie im Boden verfĂŒgbar sind.
  • Langsames Wachstum: Die Pflanzen gehen in den Überlebensmodus und wachsen kaum noch.
  • Blattsymptome: Die BlattrĂ€nder werden trocken und rollen sich ein.
  • SchĂ€dlinge: Spinnmilben lieben trockene Luft! Bei RLF unter 40% fĂŒhlen die sich puderwohl.

Die gute Nachricht: In der Wachstumsphase verkraften Pflanzen niedrigere Luftfeuchtigkeit deutlich besser als zu hohe. Bei SĂ€mlingen ist es umgekehrt.

So kontrollierst du die Luftfeuchtigkeit

Theorie ist schön und gut, aber wie setzt du das Ganze jetzt in der Praxis um?

Luftfeuchtigkeit messen

Bevor du ĂŒberhaupt anfĂ€ngst zu regulieren, brauchst du ein vernĂŒnftiges MessgerĂ€t. Hol dir ein digitales Thermo-Hygrometer mit Min/Max-Funktion. Die Teile kosten unter 20 Euro und zeigen dir nicht nur die aktuellen Werte, sondern auch die Extremwerte der letzten Stunden. Super praktisch!

Wo platzieren? Auf Höhe des BlÀtterdachs (Canopy), nicht direkt unter der Lampe und nicht am Boden. Du willst wissen, was deine Pflanzen wirklich erleben, nicht was am Rand der Box passiert.

Profi-Tipp: Besorgt dir gleich mehrere billige Mini-Hygrometer und verteile sie in der Box. So siehst du, ob es irgendwo Hot- oder Cold-Spots gibt.

Luftfeuchtigkeit senken

Das ist in den meisten Indoor-Grows das grĂ¶ĂŸere Problem, besonders in der BlĂŒte.

Methode 1: Bessere BelĂŒftung

  • Erhöhe die Abluft-Leistung. Mehr Luftaustausch = weniger Feuchtigkeit.
  • Sorge fĂŒr gute Luftzirkulation mit Ventilatoren. Die Luft sollte stĂ€ndig in Bewegung sein.
  • FĂŒhre die Abluft nach draußen, nicht in den gleichen Raum zurĂŒck.

Methode 2: Luftentfeuchter

Wenn BelĂŒftung allein nicht reicht, kommst du um einen Luftentfeuchter nicht herum. Die meisten Grower stellen den Entfeuchter in den Raum, wo die Growbox steht – nicht direkt in die Box, weil der stĂ€ndige Luftaustausch die Wirkung zunichte macht.

Kauftipps fĂŒr Luftentfeuchter:

  • FĂŒr kleine Boxen (60×60 bis 80×80): Ein kompakter Peltier-Entfeuchter mit 500-700ml/Tag reicht oft.
  • FĂŒr mittlere bis große Setups: Investiere in einen richtigen Kompressor-Entfeuchter mit mindestens 12-20L/Tag KapazitĂ€t.
  • Wichtig: Achte auf Auto-Restart-Funktion, falls du mit Zeitschaltuhr arbeitest.
  • Profi-Lösung: Manche Grower basteln sich eine „aktive Zuluft“, indem sie den Luftentfeuchter per Schlauch direkt an die Zuluft-Öffnung der Box anschließen.

Marken-Tipp: TFA Dostmann, AC Infinity und Trotec bieten gute GerĂ€te an. Bei kleineren Grows tut’s aber auch ein gĂŒnstiger Kompakt-Entfeuchter vom Baumarkt.

Methode 3: Temperatur senken

Kalte Luft hÀlt weniger Feuchtigkeit. Wenn du die Temperatur um 2-3°C senkst, geht oft auch die relative Luftfeuchtigkeit runter. Aber Vorsicht: Nicht zu kalt, sonst stresst du die Pflanzen.

Methode 4: DIY-Lösungen

  • Calciumchlorid-Entfeuchter: Gibt’s fĂŒr ein paar Euro im Baumarkt. Hilft bei leichten Problemen.
  • Reis oder Katzenstreu: Absorbieren Feuchtigkeit. Stell eine Schale davon in die Box. Bringt aber nur wenig.
  • Feuchtigkeitsabsorbierende Kristalle: Etwas effektiver als Reis, aber auch nicht die Wunderwaffe.

Ehrlich gesagt: Wenn du es ernst meinst, investiere lieber direkt in einen ordentlichen Luftentfeuchter.

Luftfeuchtigkeit erhöhen

Das ist seltener ein Problem, kommt aber vor – besonders im Winter bei Heizungsluft oder wenn du mit starken LEDs arbeitest, die wenig WĂ€rme abgeben.

Methode 1: Luftbefeuchter

Die sauberste Lösung. Es gibt verschiedene Typen:

  • Ultraschall-Luftbefeuchter: Erzeugen feinen Nebel, sind leise und effektiv. Perfekt fĂŒr Grows.
  • Verdunster: Arbeiten mit einem Ventilator, der Luft durch ein feuchtes Medium blĂ€st.
  • Dampf-Luftbefeuchter: Erhitzen Wasser zu Dampf. Erhöhen aber auch die Temperatur.

Kauftipps fĂŒr Luftbefeuchter:

  • FĂŒr kleine bis mittlere Boxen: AC Infinity Cloudforge T3 oder T7 – die sind speziell fĂŒr Grows konzipiert und haben Feuchtigkeitssensoren.
  • Budget-Option: LEVOIT oder Ă€hnliche Marken mit RLF-Einstellung. Gibt’s ab 50 Euro.
  • Wichtig: Nutze destilliertes Wasser! Leitungswasser verkalkt die GerĂ€te und die Mineralien landen als weißer Staub auf deinen Pflanzen.

Profi-Tipp: Manche Grower schließen den Luftbefeuchter per Schlauch direkt an die Zuluft der Box an. So kommst du nicht an die Grenzen der Befeuchtungsleistung.

Methode 2: Pflanzen besprĂŒhen

In der Vegi-Phase kannst du deine Pflanzen 1-2x tĂ€glich mit einem feinen Wassernebel einsprĂŒhen. Das erhöht kurzzeitig die Luftfeuchtigkeit und die BlĂ€tter nehmen direkt Wasser auf.

Wichtig: In der BlĂŒte die Buds nicht direkt besprĂŒhen! Das fördert nur Schimmel.

Methode 3: Wasserschalen

Einfach aber effektiv: Stell Schalen mit Wasser in oder neben die Growbox. Die Verdunstung erhöht die Luftfeuchtigkeit. FĂŒr mehr OberflĂ€che kannst du SchwĂ€mme ins Wasser legen.

Methode 4: Nasse HandtĂŒcher

Quick-Fix fĂŒr den Notfall: HĂ€ng ein nasses Handtuch in die Box oder drapiere es ĂŒber einen Ventilator. Wechsel das Handtuch alle 2-3 Tage, sonst wird’s eklig.

Methode 5: Abluft reduzieren

Weniger Luftaustausch = mehr Feuchtigkeit bleibt drin. Vorsicht: Nicht zu weit runterdrehen, sonst wird’s zu heiß oder deine Pflanzen kriegen zu wenig Frischluft.

HĂ€ufige Fehler bei der Feuchtigkeitsregulierung

Lass uns mal durchgehen, was viele Grower falsch machen.

Fehler 1: Nur auf Tag-Werte achten

Die Luftfeuchtigkeit in der Nacht ist mindestens genauso wichtig! Wenn das Licht aus ist, sinkt die Temperatur und die relative Luftfeuchtigkeit steigt automatisch. Genau dann schlÀgt Schimmel zu. Investiere in ein Hygrometer mit Min/Max-Funktion, damit du siehst, was nachts passiert.

Fehler 2: Zu schnelle Änderungen

Deine Pflanzen mögen keine plötzlichen SprĂŒnge. Wenn du von 70% auf 45% RLF runtergehst, mach das ĂŒber mehrere Tage. Sonst geraten deine Pflanzen in Stress.

Fehler 3: Die Temperatur ignorieren

RLF und Temperatur gehören zusammen! 60% bei 20°C fĂŒhlt sich fĂŒr die Pflanze ganz anders an als 60% bei 28°C. Deswegen ist der VPD so nĂŒtzlich.

Fehler 4: Schlechte Luftzirkulation

Du kannst die beste Luftfeuchtigkeit haben – wenn die Luft steht, bilden sich Mikroklimata. Direkt an den Buds kann es dann viel feuchter sein als im Rest der Box. Stelle immer Ventilatoren auf, die fĂŒr Bewegung sorgen (aber nicht direkt auf die Pflanzen blasen).

Fehler 5: Die letzten Wochen unterschÀtzen

Die kritischste Phase sind die letzten 2-3 Wochen vor der Ernte. Hier werden viele nachlÀssig, weil sie das Ziel schon vor Augen haben. Genau dann haust du dir mit Schimmel aber die ganze Ernte kaputt.

Klimakontrolle je nach Jahreszeit

AbhÀngig davon, wann du growst, hast du unterschiedliche Herausforderungen.

Sommer-Grows

Im Sommer ist Hitze dein Hauptproblem, aber die Luftfeuchtigkeit oft niedrig (außer du wohnst an der KĂŒste).

Strategie:

  • LĂŒfte in den kĂŒhleren Morgenstunden
  • Nutze starke Abluft-Ventilatoren
  • ErwĂ€ge eine mobile Klimaanlage fĂŒr grĂ¶ĂŸere Setups
  • Die niedrige Luftfeuchtigkeit ist eigentlich ein Vorteil in der BlĂŒte

Winter-Grows

Im Winter hast du oft das umgekehrte Problem: Die Heizungsluft ist extrem trocken.

Strategie:

  • Luftbefeuchter in der Vegi-Phase fast Pflicht
  • Nutze die AbwĂ€rme deiner Lampen zum Heizen
  • Reduziere die Abluft etwas, damit die WĂ€rme drin bleibt
  • Achte auf Kondensation an kalten WĂ€nden

Herbst/FrĂŒhjahr

Das sind oft die angenehmsten Zeiten zum Growen. Die Außentemperaturen sind moderat und die Luftfeuchtigkeit nicht zu extrem.

Strategie:

  • Nutze Frischluft von draußen fĂŒr natĂŒrliche Klimakontrolle
  • Beobachte die Wettervorhersage: An regnerischen Tagen steigt die Luftfeuchtigkeit

Zusammenfassung: Deine Checkliste

Damit du nicht durcheinander kommst, hier nochmal die wichtigsten Punkte als Quick-Guide:

Equipment, das du brauchst:

  • Digitales Thermo-Hygrometer mit Min/Max-Funktion
  • Luftentfeuchter (fĂŒr die BlĂŒte unverzichtbar in vielen Klimazonen)
  • Luftbefeuchter (je nach Jahreszeit und Klima)
  • Ventilator(en) fĂŒr Luftzirkulation

Phase-spezifische Einstellungen:

  1. Keimung: 70-80% RLF, 24-29°C
  2. SÀmling: 65-75% RLF, 20-25°C
  3. Wachstum: 50-70% RLF, 22-28°C
  4. FrĂŒhe BlĂŒte: 45-55% RLF, 20-26°C
  5. SpĂ€te BlĂŒte: 40-50% RLF, 20-26°C
  6. Letzte Wochen: 35-45% RLF, 18-24°C

TĂ€gliche Routine:

  • Morgens und abends die Werte checken
  • Auf Schimmel und Mehltau kontrollieren
  • Luftzirkulation ĂŒberprĂŒfen
  • Bei Bedarf nachjustieren

Probleme beheben:

  • RLF zu hoch → Mehr Abluft, Luftentfeuchter, Temperatur senken
  • RLF zu niedrig → Luftbefeuchter, Wasserschalen, weniger Abluft
  • Schimmel entdeckt → Sofort befallene Stellen entfernen, RLF stark senken, Luftzirkulation erhöhen

FAQ: Die hÀufigsten Fragen zur Luftfeuchtigkeit

Kann ich die Luftfeuchtigkeit auch ohne GerÀte kontrollieren?

Jein. Messen geht nicht ohne Hygrometer, das ist klar. Regulieren kannst du ein StĂŒck weit durch BelĂŒftung und DIY-Methoden. Aber seien wir ehrlich: FĂŒr einen ernsthaften Indoor-Grow solltest du zumindest in ein gutes MessgerĂ€t investieren. Bei grĂ¶ĂŸeren Schwankungen kommst du um Luftent-/befeuchter nicht herum.

Ist die Luftfeuchtigkeit wichtiger als die Temperatur?

Beides ist gleich wichtig, weil sie zusammenhĂ€ngen. Du kannst nicht das eine ohne das andere betrachten. Der VPD-Wert berĂŒcksichtigt beide Faktoren und ist deswegen so wertvoll.

Meine Pflanzen wachsen auch mit 35% RLF in der Vegi – ist das okay?

Sie werden es ĂŒberleben, aber du verschenkst Potenzial. Bei zu niedriger Luftfeuchtigkeit können die Pflanzen nicht optimal transpirieren und nehmen weniger NĂ€hrstoffe auf. Das Wachstum ist langsamer, die BlĂ€tter kleiner, die Ernte geringer. Versuch zumindest auf 45-50% zu kommen.

Brauche ich wirklich einen Luftentfeuchter?

Das hĂ€ngt von deinem Klima und deiner Growbox ab. Wenn du in einer feuchten Region lebst (KĂŒste, FlussnĂ€he) oder im Herbst growst, wirst du ohne Entfeuchter in der BlĂŒte Probleme bekommen. In trockenen Regionen oder mit sehr guter BelĂŒftung kommst du vielleicht ohne aus. Aber: Lieber haben und nicht brauchen, als brauchen und nicht haben. Schimmel auf den Buds ist nicht witzig.

Wie wichtig ist der VPD wirklich?

FĂŒr AnfĂ€nger: Nice to have, aber kein Muss. Konzentriert euch erst mal auf die Basics. FĂŒr Fortgeschrittene: Game Changer. Der VPD gibt dir viel mehr Kontrolle und FlexibilitĂ€t beim Einstellen deines Klimas. Er erklĂ€rt auch, warum deine Pflanzen manchmal bei „guten“ Werten trotzdem Stress zeigen.

Schlusswort: Klima ist King

Luftfeuchtigkeit ist einer dieser Faktoren, die AnfĂ€nger oft unterschĂ€tzen und Profis obsessiv ĂŒberwachen. Zu Recht. Du kannst die teuersten Seeds, das beste Licht und die besten NĂ€hrstoffe haben – wenn dein Klima nicht stimmt, wird die Ernte enttĂ€uschend. Oder schlimmer: Du verlierst alles wegen Schimmel kurz vor der Ernte.

Die gute Nachricht: Mit den richtigen Tools und etwas Aufmerksamkeit ist Klimakontrolle kein Hexenwerk. Investiere in vernĂŒnftiges MessgerĂ€t, verstehe die BedĂŒrfnisse deiner Pflanzen in jeder Phase und reagiere rechtzeitig auf VerĂ€nderungen.

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Letzte Bearbeitung am Freitag, 9. Januar 2026 – 7:16 Uhr von Andi, Cannabis Experte von Alvar Flame.