Vorwort: Was ist ScroG ĂĽberhaupt?
ScroG steht für „Screen of Green“ und ist eine bewährte Low-Stress-Trainingstechnik im Indoor-Grow, bei der Pflanzen durch ein Netz (Screen) hindurch wachsen und horizontal geleitet werden. Ziel ist es, die Wuchsrichtung der Triebe zu kontrollieren, um die Lichtverteilung zu optimieren und das Wachstum der Blütenstände gleichmäßig zu fördern. Richtig angewendet, sorgt die ScroG-Technik für deutlich höhere Erträge, gesündere Pflanzen und eine maximale Ausnutzung der Anbaufläche.
Wie funktioniert die ScroG-Technik?
Der Kern der ScroG-Methode ist ein horizontal gespanntes Netz oder Gitter, das oberhalb der Pflanzen angebracht wird. Sobald die Pflanze eine gewisse Höhe erreicht hat, werden die Haupt- und Seitentriebe vorsichtig unter dem Netz entlanggeführt. Anstatt vertikal zu wachsen, breiten sich die Triebe horizontal aus. Dadurch entstehen zahlreiche gleichmäßig beleuchtete Haupttriebe, die sich zu kräftigen Blüten entwickeln können.
So gehst du Schritt fĂĽr Schritt vor:
- Netz anbringen: Platziere das ScroG-Netz etwa 20–30 cm über dem Topfrand. Es sollte stabil und gut gespannt sein.
- Wachstum beobachten: Sobald die Pflanzen durch das Netz wachsen, fädelst du die Triebe vorsichtig in die nächsten Öffnungen und leitest sie seitlich.
- Triebe fixieren: Wiederhole das Umleiten regelmäßig, um ein gleichmäßiges Blätterdach zu formen.
- Entlauben: Entferne unter dem Netz liegende Blätter und schwache Triebe, um die Luftzirkulation zu verbessern und Energie auf die oberen Triebe zu konzentrieren.
- Blütephase: Sobald das Netz gut gefüllt ist, leitest du die Blüte ein (12/12-Lichtzyklus). Während der Stretch-Phase (die ersten zwei Wochen der Blüte) musst du noch aktiv weiterführen und nachkorrigieren.
Wann sollte man mit ScroG beginnen?
Der richtige Zeitpunkt für den Start mit der ScroG-Technik ist entscheidend für den Erfolg dieser Trainingsmethode. Grundsätzlich beginnt man mit ScroG in der späten vegetativen Phase, doch das exakte Timing hängt von mehreren Faktoren ab: der Sorte, dem Wachstumsverhalten, dem gewünschten Netzfüllungsgrad und dem geplanten Blütezeitpunkt.
Allgemeine Faustregel:
Starte mit dem ScroG-Training, sobald die Pflanze etwa 20–30 cm hoch ist oder eine ausreichende Anzahl an Seitentrieben gebildet hat, idealerweise 5–8 kräftige Triebe. In diesem Stadium ist die Pflanze noch flexibel genug, um ihre Wuchsrichtung schonend zu beeinflussen, ohne sie zu verletzen.
Phasenweiser Ablauf – das ideale Timing im Detail:
- FrĂĽhe Wachstumsphase (erste 2 Wochen nach Keimung):
- Kein ScroG. Hier konzentrierst du dich auf gesunde Entwicklung, gutes Wurzelwachstum und kompakte Struktur. Noch kein Eingriff nötig.
- Mittelphase (ca. Woche 3–4):
- Jetzt beginnst du, das ScroG-Netz über der Pflanze zu installieren, auf ca. 20–30 cm Höhe über dem Topfrand. Beobachte genau das Pflanzenwachstum.
- Sobald die Spitzen das Netz erreichen, kannst du beginnen, die Triebe seitlich durch die Maschen zu leiten.
- Wichtig: Schneide keine Triebe ab, sondern leite sie nur um.
- Späte Vegi-Phase (Woche 4–6 bei Photoperiodics):
- In dieser Phase solltest du aktiv mit dem Training arbeiten.
- Ziel ist es, das Netz bis zu 70–80 % zu füllen, bevor du in die Blütephase wechselst.
- Je voller das Netz zu Beginn der Blüte ist, desto besser verteilen sich später die Buds.
- Stretch-Phase (erste 2 Wochen nach Umstellung auf 12/12):
- Jetzt wachsen die Pflanzen besonders schnell. Nutze diese Zeit, um letzte Korrekturen vorzunehmen.
- Die Triebe können in dieser Phase um 50–100 % in die Höhe schießen – das Netz hilft, diese zu kontrollieren.
- Fülle das Netz zu 100 %, danach kein Umlenken mehr – ab hier konzentriert sich die Pflanze auf die Blütenbildung.

Spezialfall: Training und Toppen vor ScroG
Bevor du mit dem ScroG beginnst, kannst du durch Topping oder FIMing das Wachstum von Seitentrieben fördern. Das empfiehlt sich ca. 1 Woche vor Beginn des Netztrainings. Ziel ist es, mehrere gleich starke Haupttriebe zu erzeugen, die später gleichmäßig durch das Netz geführt werden können.
Wichtige Hinweise zum richtigen Startzeitpunkt:
- Nicht zu früh: Junge Pflanzen sind empfindlich. Zu frühes Netztraining kann zu Schäden führen oder die Pflanze im Wachstum hemmen.
- Nicht zu spät: Ist die Pflanze bereits in der Blüte, bringt ScroG kaum noch Vorteile – das Netztraining wirkt dann eher störend als förderlich.
- Gesunde Pflanzen: Beginne nur mit kräftigen, vitalen Pflanzen. Schwache oder gestresste Pflanzen sollten sich zunächst erholen.
Fazit zum Timing:
Ein gut gewählter Startzeitpunkt für das ScroG-Training liegt etwa zwei Wochen vor dem Wechsel in die Blütephase, wenn die Pflanzen gesund, stabil und etwa 30 cm hoch sind. Mit etwas Erfahrung entwickelst du schnell ein Gefühl dafür, wann deine Pflanzen bereit sind, das Netz zu erobern. Eine gezielte Vorbereitung, etwa durch Topping, kann den Trainingserfolg zusätzlich verbessern. So legst du den Grundstein für ein flaches, gleichmäßig bewachsenes Blätterdach – die Basis für üppige Erträge.
Welche Vorteile bietet ScroG?
- Maximale Lichtausnutzung: Jeder Bud bekommt gleichmäßig Licht – das verhindert Popcorn-Buds.
- Ertragssteigerung: Gleichmäßige Verteilung der Energie auf mehrere Haupttriebe statt einem zentralen Hauptstamm.
- Platzersparnis: Besonders in kleinen Growboxen ideal, um die Fläche effizient zu nutzen.
- Bessere BelĂĽftung: Weniger Risiko fĂĽr Schimmelbildung durch Entlauben unter dem Netz.
- Weniger Pflegeaufwand in der BlĂĽte: Einmal etabliert, erfordert das ScroG-System relativ wenig weitere Eingriffe.

ScroG bei Autoflowering Sorten – sinnvoll oder nicht?
Autoflowering Sorten haben eine festgelegte Lebensdauer und blühen unabhängig vom Lichtzyklus. Das bedeutet, dass sie meist schon sehr früh – oft nach 3–4 Wochen – in die Blüte gehen. In dieser kurzen Zeit ist kaum genug vegetatives Wachstum vorhanden, um ein Netz effektiv zu füllen.
Fazit: ScroG ist bei Autos nur eingeschränkt sinnvoll. Für maximale Effizienz empfiehlt sich die Technik vor allem bei photoperiodischen Pflanzen, da hier das vegetative Wachstum beliebig verlängert und das Netz gezielt gefüllt werden kann.
Ist ScroG auch bei Hydro möglich?
Ja, ScroG lässt sich problemlos in hydroponischen Systemen anwenden. Besonders bei DWC- oder NFT-Systemen (Deep Water Culture, Nutrient Film Technique) profitieren Pflanzen stark von der strukturierten Führung durch das Netz. Wichtig ist jedoch, dass der Zugang zum Wurzelbereich weiterhin möglich bleibt – z. B. durch mobile Netzkonstruktionen oder ein herausnehmbares Netz.
Tipp: Plane bei Hydro unbedingt Wartungskorridore ein, um an Reservoir und Pumpe zu gelangen, ohne das Netz zerstören zu müssen.
Das benötigte Zubehör für ScroG
- ScroG-Netz oder -Gitter: Es gibt elastische Netzvarianten mit 5–10 cm Maschenweite. Auch Eigenkonstruktionen mit Schnur oder Drahtgitter sind möglich.
- Rahmen: Entweder integriert in das Zeltgestänge oder als separate Struktur z. B. mit Bambus, PVC oder Metallstangen.
- Bindematerial: Pflanzenclips, sanfte Drahtbinder oder Soft-Ties zum Fixieren der Triebe.
- Entlaubungswerkzeug: Scharfe Scheren fĂĽr saubere Schnitte, idealerweise desinfizierbar.
- Stabile Töpfe oder Hydrosystem: Je nach Substratwahl.
Stofftöpfe oder Plastiktöpfe für ScroG?
Beide Topfarten haben Vor- und Nachteile, die bei ScroG unterschiedlich zum Tragen kommen:
Stofftöpfe (z. B. „Smart Pots“):
- Vorteile:
- Luftschnitt der Wurzeln verhindert Wurzelkreisbildung.
- Bessere Sauerstoffversorgung der Wurzelzone.
- Geringeres Risiko für Überwässerung.
- Nachteile:
- Weniger formstabil – bei einem dichten ScroG-Netz könnte das Umkippen drohen.
- Wasser läuft schneller durch – häufigeres Gießen notwendig.
Plastiktöpfe:
- Vorteile:
- Stabiler Stand – besonders bei großem Netz und schwerem Blätterdach wichtig.
- Weniger Wasserverlust – längere Intervalle zwischen dem Gießen.
- Nachteile:
- Gefahr von Wurzelbindung und schlechterer DurchlĂĽftung.
Empfehlung: Wer auf Erde oder Coco growt und nicht mobil sein muss, kann mit Stofftöpfen sehr gute Ergebnisse erzielen. Bei Hydro oder schweren Netzkonstruktionen sind Plastiktöpfe oft praktischer.
Fazit: Warum ScroG eine lohnende Technik ist
ScroG bietet Indoor-Growern eine hocheffektive Methode, das Potenzial ihrer Pflanzen voll auszuschöpfen. Durch gezielte Kontrolle des Wuchses entstehen homogene Blütendächer mit optimaler Lichtverteilung und verbesserten Erträgen. Besonders bei photoperiodischen Sorten in beengten Verhältnissen ist ScroG eine der effizientesten Trainingsmethoden überhaupt. Zwar ist der Aufwand in der Vegiphase höher, aber der Gewinn in der Blütephase macht dies mehr als wett.
Egal ob auf Erde, in Coco oder in Hydro – mit etwas Planung, Geduld und dem richtigen Zubehör kann ScroG zur echten Geheimwaffe im Grow-Raum werden.
Letzte Bearbeitung am Donnerstag, 22. Mai 2025 – 6:35 Uhr von Andi, Cannabis Experte von Alvar Flame.




